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Wasser im Sport – ein unterschätztes Thema mit großem Potenzial

Wasser ist die Grundlage des Lebens – und im Sport ein Rohstoff, der in erstaunlichen Mengen verbraucht wird. Rasenflächen wollen bewässert werden, Duschen laufen nach dem Training, Schwimmbecken müssen gefüllt und warmgehalten werden, Kühlsysteme, Reinigungsanlagen und Kücheneinrichtungen tun ihr Übriges. Während Energie und Mobilität im Nachhaltigkeitsdiskurs des Sports längst ihren Platz gefunden haben, fristet das Thema Wasser noch oft ein Schattendasein. Dabei ist gerade hier das Einsparpotenzial erheblich – und der Handlungsdruck durch Trockenperioden und steigende Wasserpreise wächst.

Wie viel Wasser verbraucht ein Sportverein?

Das hängt stark von der Art der Anlage ab. Ein Fußballverein mit einem Naturrasenplatz kann in der Vegetationsperiode schnell mehrere tausend Kubikmeter Wasser pro Saison für die Beregnung aufwenden. Hallenbäder und Freibäder zählen zu den wasserintensivsten Einrichtungen im Freizeitsport überhaupt: Verdunstung, Rückspülung der Filter, Schleusen und Duschen summieren sich zu einem Verbrauch, der ohne bewusstes Management kaum kontrollierbar ist. Auch Tennisplätze aus Sand oder Schlacke benötigen regelmäßige Bewässerung, um bespielbar zu bleiben.

Das Bewusstsein für diese Verbrauchsmengen fehlt in vielen Vereinen schlicht – oft, weil Wasser bislang günstig war und Zähler selten abgelesen wurden. Das ändert sich gerade: Klimabedingte Trockenperioden führen in manchen Regionen bereits zu lokalen Wasserrestriktionen, und auch die Preise steigen.

Rasenbewässerung: Weniger ist möglich

Der Rasen ist für viele Sportvereine das Herzstück der Anlage – und gleichzeitig der größte Wasserverbraucher. Dabei lässt sich der Verbrauch mit verhältnismäßig einfachen Mitteln deutlich reduzieren. Moderne Beregnungsanlagen mit Bodenfeuchtesensoren bewässern nur dann, wenn der Boden es tatsächlich braucht – und nicht nach einem starren Zeitplan, der auch nach Regennächten aktiviert wird. Ergänzend dazu empfiehlt sich eine Bewässerung in den frühen Morgenstunden, wenn die Verdunstungsrate am niedrigsten ist.

Langfristig lohnt sich auch ein Blick auf die Rasensorte: Trockenstresstolerante Gräsermischungen kommen mit deutlich weniger Wasser aus als herkömmliche Rasenmischungen und eignen sich besonders für Standorte, die regelmäßig von Trockenheit betroffen sind. Wo ein Naturrasen aus betrieblichen Gründen ohnehin an seine Grenzen stößt, können moderne Kunstrasen- oder Hybridrasen-Systeme eine Alternative sein – sofern sie ökologisch vertretbar konzipiert sind und keine Mikroplastikeinträge verursachen.

 Regenwasser nutzen statt ableiten

Einer der effektivsten Hebel kommt buchstäblich vom Himmel: Regenwasser, das auf Dächern, Tribünen und Hallendächern aufgefangen werden kann, ist in vielen Fällen gut geeignet für die Rasenbewässerung. Eine Zisterne mit ausreichend Fassungsvermögen und eine einfache Pumpenanlage genügen, um den Bedarf an Trinkwasser für die Bewässerung erheblich zu senken.

Einige Vereine kombinieren Regenwassernutzung mit Gründächern, die das Wasser zunächst zurückhalten und bei Bedarf verzögert abgeben. Das entlastet nicht nur den eigenen Wasserverbrauch, sondern auch die kommunale Kanalisation bei Starkregenereignissen – ein doppelter Mehrwert.

Duschen, Sanitäranlagen und Küche

Im Vereinsbetrieb entfällt ein nicht unbeträchtlicher Teil des Wasserverbrauchs auf Sanitäranlagen und Küche. Hier sind die Maßnahmen klar und oft mit geringem Aufwand umsetzbar: Wassersparende Duschköpfe und Armaturen, Toiletten mit Spül-Stopp-Funktion, Durchflussbegrenzer an Waschbecken sowie die regelmäßige Überprüfung auf Leckagen können den Verbrauch um bis zu 30 Prozent senken, ohne dass Mitglieder einen spürbaren Komfortverlust erleben.

Gerade in älteren Vereinsgebäuden sind undichte Leitungen und veraltete Spülkästen häufige Ursachen für einen dauerhaft erhöhten Grundverbrauch, der lange unbemerkt bleibt. Ein einfacher Schritt: Den Wasserverbrauch anhand der Jahresabrechnung gezielt analysieren und mit Vergleichswerten ähnlicher Anlagen abgleichen.

Schwimmbäder: Effizienz als Daueraufgabe

Bäder stehen vor besonderen Herausforderungen. Der größte Verbrauchsposten ist meist nicht das Nachfüllen des Beckens, sondern die Rückspülung der Filteranlagen, die Zufuhr von Frischwasser zur Verdünnungssteuerung und die Verluste durch Verdunstung. Moderne Beckenabdeckungen für die Nacht- und Ruhestunden reduzieren Verdunstungsverluste erheblich. Wasseraufbereitungssysteme, die weniger häufige Rückspülungen benötigen, und die Nutzung von Brauchwasser für Reinigung und Bewässerung der Außenanlagen ergänzen das Portfolio an Maßnahmen.

Auch die Wassertemperatur spielt eine Rolle: Jedes Grad weniger im Becken spart nicht nur Energie, sondern reduziert auch die Verdunstungsrate. Ein gemeinsam entwickeltes Betriebskonzept, das Wasserqualität, Energieverbrauch und Komfort in Balance hält, ist für Bäder daher besonders wertvoll.

Messen, wissen, handeln

Der erste Schritt zu einem bewussten Wasserumgang ist Transparenz. Wo kein separater Zähler für die Bewässerungsanlage installiert ist, bleibt der Verbrauch im Dunkeln. Eine einfache Verbrauchserfassung – aufgeschlüsselt nach Bereichen und Zeiträumen – macht Einsparpotenziale sichtbar und motiviert zu konkreten Maßnahmen. Für viele Vereine ist die Erkenntnis, wie viel Wasser ein einziger bespielter Spieltag kostet, ein wirksamer Anstoß zum Handeln.

Wasser ist keine selbstverständliche Ressource mehr. Vereine, die das früh erkennen und ihren Umgang damit professionalisieren, handeln nicht nur klimabewusst – sie sichern auch die langfristige Nutzbarkeit ihrer Anlagen.

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