Wenn Fußball Kreise zieht – SCR Altach und Illwerke vkw als nachhaltige Vorbilder
Fußball ist Emotion. Er verbindet Menschen, schafft Identifikation und prägt ganze Regionen. Doch beim SC Rheindorf Altach denkt man schon längst über den Spielfeldrand hinaus. Der Vorarlberger Bundesligist hat gemeinsam mit dem Energieversorger Illwerke vkw eine Partnerschaft ins Leben gerufen, die weit mehr ist als klassisches Sponsoring – sie ist ein gelebtes Bekenntnis zur Nachhaltigkeit.
Mehr als ein Logo auf dem Trikot
Partnerschaften zwischen Sportvereinen und Unternehmen werden häufig auf ihre Werbewirkung reduziert. Die „Green Energy”-Partnerschaft zwischen dem SCR Altach und den Illwerken vkw verfolgt einen grundlegend anderen Ansatz. Beide Partner eint die Überzeugung, dass ihre gesellschaftliche Verantwortung dort nicht endet, wo der Rasen aufhört. Der Impuls für die Zusammenarbeit entstand unter anderem im Rahmen des 100-Jahr-Jubiläums der Illwerke vkw – als bewusster Blick in die Zukunft, um konkrete Beiträge für kommende Generationen zu setzen.
Was dabei herausgekommen ist, lässt sich nicht auf ein einzelnes Projekt reduzieren: In nur einem Jahr wurden zehn gemeinsame Nachhaltigkeitsinitiativen umgesetzt – ursprünglich waren zwei geplant. Diese Dynamik spricht für sich.
Energie denken – regional und erneuerbar
Auf dem Stadiongelände im Schnabelholz wurde Nachhaltigkeit baulich verankert. Mittlerweile betreibt der SCR Altach drei Photovoltaikanlagen, die jüngste auf dem neuen Business-Gebäude mit einer Spitzenleistung von 180 kWp – der bislang größten des Vereins. Die Frage war dabei nie ob, sondern wie groß und wie leistungsfähig die Anlage sein soll. Ein Bewusstseinswandel, der direkt aus der intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit entstanden ist.
Ergänzt wird die Eigenstromerzeugung durch eine gasisolierte Mittelspannungsanlage, die anstelle klimaschädlicher Gase auf saubere Luft als Isoliermedium setzt. Dass das beauftragte Elektrounternehmen diesen Vorschlag von sich aus einbrachte, zeigt: Die Nachhaltigkeitsphilosophie des Vereins ist im regionalen Netzwerk bereits angekommen.
Besonders bemerkenswert ist eine weitere Komponente des Energiekreislaufs: Der Rasenschnitt des Stadions wird seit Jahren an einen benachbarten Landwirt weitergegeben, der daraus in seiner Biogasanlage Strom erzeugt – Strom, der zufällig in dasselbe Netzgebiet eingespeist wird, in dem das Stadion liegt. Ein kleiner Kreislauf, der zeigt, wie Nachhaltigkeit auch ohne große Gesten funktionieren kann.
Mobilität als Haltungsfrage
Auch die Frage, wie Fans zum Stadion kommen, wird beim SCR Altach ernst genommen. Fahrradabstellplätze wurden bereits ausgebaut – mit dem skurrilen, aber aufschlussreichen Vergleich, dass das Schnabelholz damit mehr Radplätze bietet als die Allianz-Arena in München. Für Fans aus entlegeneren Regionen Vorarlbergs ist ein elektrisch betriebener Fanbus in Planung. Was zunächst wie ein Detail klingt, ist in Wahrheit ein klares Signal: Klimaschutz beginnt bei der Anreise.
Synergien nutzen, Netzwerke aktivieren
Einer der stärksten Effekte der Partnerschaft liegt im Zusammenführen unterschiedlicher Netzwerke. Die Illwerke vkw pflegen Kooperationen mit der Caritas, mit der inatura und weiteren Partnern. Durch die Verbindung mit dem SCR Altach entstehen daraus völlig neue Berührungspunkte: Spieler sprechen in Lerncafés der Caritas mit Kindern über gesunde Ernährung und Bewegung. Wissenschaftliche Inhalte zu Energie und Physik werden über den emotionalen Kanal Fußball in die Breite getragen.
Auch im alltäglichen Vereinsbetrieb entstehen Initiativen, die zeigen, wie nachhaltiges Denken Einzug hält: Fans pflanzten gemeinsam mit dem Verein Bäume rund ums Stadion, die die Gemeinde bereitgestellt hatte – und sparten ihr damit Kosten. Die Stadiongastronomie bezieht Kalbsbratwürste nun ausschließlich aus Vorarlberger Betrieben, was regionale Landwirte stärkt und den CO₂-Fußabdruck senkt. Der Metzgereibetrieb stellte daraufhin sein gesamtes Sortiment entsprechend um – ein Folgeeffekt, der über den Verein weit hinausgeht.
Sport als gesellschaftlicher Impulsgeber
Was dieses Beispiel aus Vorarlberg so wertvoll macht, ist nicht die Summe der einzelnen Maßnahmen, sondern die dahinterliegende Haltung. Ein Fußballverein, der eine Trafoanlage beschafft, fragt nicht mehr nur nach dem Preis – er fragt nach der ökologisch sinnvollsten Lösung. Ein Energieunternehmen, das eine Sportpartnerschaft eingeht, denkt nicht in Werbeflächen, sondern in gesellschaftlicher Wirkung.
Sportvereine erreichen Menschen auf eine Weise, die kaum ein anderer gesellschaftlicher Akteur schafft – emotional, regional und generationenübergreifend. Wer diese Reichweite nutzt, um Nachhaltigkeit erlebbar zu machen, schafft etwas, das über jeden einzelnen Projektabschluss hinausgeht: ein neues Selbstverständnis, das sich in die Gesellschaft fortsetzt. Die Zusammenarbeit zwischen SCR Altach und Illwerken vkw zeigt, wie das gelingen kann – Schritt für Schritt, Maßnahme für Maßnahme, immer weitere Kreise ziehend.
Quelle: Neue Vorarlberger Tageszeitung vom 08.03.2026 – „Die Menschen wollen sich identifizieren“

