Green Stadiums weltweit: Wie nachhaltiger Stadionbau den Sport revolutioniert
In der heutigen Zeit stehen Sportvereine, Verbände und Städte mehr denn je in der Verantwortung, nicht nur sportliche, sondern auch ökologische und soziale Vorbilder zu sein. Besonders im Fokus: der Bau und Betrieb von Sportstätten. Denn Stadien sind oft große Energieverbraucher, benötigen enorme Mengen an Ressourcen und beeinflussen ganze Regionen – ökologisch wie sozial. Doch eine neue Generation von Sportstätten zeigt: Nachhaltigkeit und moderne Sportarchitektur schließen sich nicht aus. Im Gegenteil – sie gehören zusammen.
Nachhaltigkeit beginnt beim Fundament: Was macht ein Stadion “grün”?
Ein nachhaltiges Stadion zeichnet sich durch mehrere zentrale Aspekte aus:
- Ressourcenschonender Bau – Verwendung von recycelten oder regionalen Materialien, Reduktion von Beton, Integration von Holz oder CO₂-armen Baustoffen.
- Energieeffizienz – Photovoltaikanlagen, LED-Beleuchtung, Smart-Building-Technologie zur intelligenten Steuerung von Licht, Heizung und Wasser.
- Umweltfreundliche Mobilität – Anbindung an den öffentlichen Verkehr, sichere Fahrradstellplätze, Förderung von E-Mobilität.
- Mehrfachnutzung & soziale Integration – Stadien als Teil des Stadtlebens, nutzbar für Schulen, Kulturveranstaltungen oder Bürgerinitiativen.
- Biodiversität & Grünflächen – Dachbegrünung, Regenwassermanagement, Integration von natürlichen Lebensräumen in und um das Stadion.
Beispiele aus der Praxis: Green Stadiums weltweit
Tokio, Japan – Das Olympiastadion als Symbol für Holzbaukunst
Für die Olympischen Spiele 2020 (auf 2021 verschoben) wurde in Tokio ein Stadion gebaut, das traditionelle japanische Baukunst mit modernster Technik verbindet. Der Architekt Kengo Kuma setzte auf natürliche Materialien: 2.000 m³ heimisches Holz schmücken die Dachkonstruktion – ein bewusster Kontrast zu Betonmonstern früherer Jahrzehnte. Außerdem wurde auf natürliche Belüftung gesetzt, wodurch der Energiebedarf für Kühlung massiv reduziert wird. Solarpaneele und Regenwasserspeicherung ergänzen das ökologische Gesamtkonzept. https://www.jpnsport.go.jp/kokuritu/
Freiburg, Deutschland – FSC-Holzdach und Sonnenkraft
Der SC Freiburg hat 2021 mit dem Europa-Park Stadion ein Vorzeigeprojekt geschaffen. Besonders innovativ: Das Dach besteht vollständig aus FSC-zertifiziertem Holz, was nicht nur die CO₂-Bilanz verbessert, sondern auch für eine angenehme Akustik sorgt. Auf dem Stadiondach produziert eine große Photovoltaikanlage grünen Strom. Zusätzlich wurde ein umfassendes Mobilitätskonzept entwickelt, das auf ÖPNV, Fahrradverkehr und E-Mobilität setzt. Schon jetzt dient das Stadion als Vorbild für andere Bundesliga-Vereine. https://www.scfreiburg.com/stadion/europa-park-stadion/
Norwegen – Plus Stadium als Energieerzeuger
Ein besonders ambitioniertes Projekt soll in in Norwegen entstehen: das „Plus Stadium“. Ziel: mehr Energie erzeugen als verbrauchen. Möglich soll das durch die Kombination aus riesigen Solardächern, Passivhausstandard, nachhaltiger Holzkonstruktion und intelligenter Energieverteilung werden. Das Stadion soll nicht nur Fußballspiele beheimaten, sondern auch als lokaler Energieversorger für umliegende Gebäude dienen – ein Stadion als Kraftwerk, das klingt nach Zukunft. https://www.thestadiumbusiness.com/2022/06/15/bodo-glimt-planning-worlds-most-sustainable-stadium.com
Amsterdam, Niederlande – Kreislaufwirtschaft im Stadion
Die Johan-Cruyff-Arena war eine der ersten Arenen in Europa, die konsequent auf Nachhaltigkeit gesetzt hat. Bereits seit Jahren wird dort mit erneuerbarer Energie gearbeitet, zudem kommen Second-Life-Batterien aus alten E-Autos zum Einsatz, um Strom zu speichern. Auch beim Thema Kreislaufwirtschaft ist das Stadion Vorreiter: Sitze, Stahlträger und Beton aus abgerissenen Stadien wurden wiederverwendet – ganz im Sinne der Ressourcenschonung. https://www.johancruijffarena.nl/en/making-an-impact-togehther/duurzaamheid/
Herausforderungen und Chancen
Trotz der positiven Beispiele ist nachhaltiger Stadionbau kein Selbstläufer. Hohe Investitionskosten, politische Prozesse, fehlende gesetzliche Anreize und die Angst vor wirtschaftlichen Einbußen bremsen viele Projekte aus. Doch die Chancen überwiegen:
- Langfristige Kostenreduktion durch Energieeffizienz
- Stärkung der öffentlichen Akzeptanz
- Innovationsschub für die gesamte Bau- und Veranstaltungsbranche
- Vorbildwirkung für andere Sportarten und Gesellschaftsbereiche
Stadien der Zukunft sind nachhaltig, sozial und offen
Sport hat eine enorme Strahlkraft. Wenn große Stadien sich dem Thema Nachhaltigkeit verschreiben, hat das eine Signalwirkung – für Fans, Bauherren, Städte und ganze Gesellschaften. Die internationale Bewegung hin zu Green Stadiums zeigt: Sportarchitektur kann Verantwortung übernehmen, ohne auf Emotion, Atmosphäre oder Funktionalität zu verzichten.
Der Bau nachhaltiger Sportstätten ist kein Luxus – er ist ein notwendiger Schritt in eine lebenswerte Zukunft des Sports.

