Ohne Ehrenamt keine Nachhaltigkeit – und umgekehrt
Der österreichische Vereinssport funktioniert zu einem überwältigenden Teil auf Basis ehrenamtlicher Arbeit. Hunderttausende Menschen engagieren sich in Sportvereinen – als Trainer:innen, Platzwarte, Kassierer:innen, Organisator:innen, Fahrerinnen und Fahrer, als Kuchenbäcker:innen beim Turnier und als stille Helfer im Hintergrund. Ohne dieses Engagement gäbe es keinen Breitensport, wie wir ihn kennen. Doch während Ehrenamt und Vereinsleben eng zusammengedacht werden, wird eine Verbindung noch zu selten hergestellt: Ehrenamtliche sind die entscheidende Kraft, wenn es darum geht, Nachhaltigkeit im Verein wirklich zu leben.
Warum Ehrenamtliche den Unterschied machen
Nachhaltigkeitsstrategie von oben ist gut. Nachhaltigkeitspraxis von innen ist besser. Vereine, die Nachhaltigkeit erfolgreich umsetzen, haben fast immer eines gemeinsam: Einzelne engagierte Menschen, die das Thema mit persönlicher Überzeugung vorantreiben. Jemand, der nach dem Training das Licht ausschaltet. Jemand, der beim Vereinsfest auf Einweggeschirr verzichtet und die Alternative selbst organisiert. Jemand, der auf der Jahreshauptversammlung fragt, woher die Vereinstrikots kommen.
Diese Menschen brauchen kein Amt und kein Budget, um zu wirken – sie brauchen Aufmerksamkeit, Anerkennung und den Rückhalt des Vereins. Wo diese drei Dinge gegeben sind, entsteht eine Nachhaltigkeitskultur, die weit tragfähiger ist als jede externe Vorgabe.
Niederschwellig einsteigen: Kleine Schritte, große Wirkung
Ein häufiges Missverständnis ist, dass Nachhaltigkeit im Verein ein eigenes Projekt, ein Konzept oder eine Strategie braucht, bevor man loslegen kann. Das stimmt nicht. Der Einstieg gelingt am besten mit konkreten, sichtbaren Maßnahmen, die sich im Vereinsalltag verankern lassen – ohne große Vorbereitung und ohne zusätzliche Belastung der ohnehin beschäftigten Freiwilligen.
Solche Einstiegspunkte gibt es viele: die Umstellung auf Mehrwegbecher beim Vereinsfest, eine Mitfahrbörse für Auswärtsspiele, das Aushängen eines Zählerleseplans für Strom und Wasser, ein Hinweis im Trainingsplan auf hitzebedingte Anpassungen. Jede dieser Maßnahmen ist für sich genommen klein – aber sie machen Nachhaltigkeit im Vereinsalltag sichtbar und setzen den entscheidenden Impuls: Wir achten hier auf sowas.
Rollen schaffen, ohne zu überfordern
Nachhaltigkeit braucht im Verein eine Heimat – aber keine neue Bürokratie. Viele Vereine haben gute Erfahrungen damit gemacht, eine informelle Ansprechperson zu benennen, die Nachhaltigkeitsthemen im Blick behält und bei Bedarf Ideen einbringt. Diese Rolle muss weder mit einem Vorstandsamt verbunden sein noch mit einem festen Aufgabenkatalog. Sie kann auch rotieren, auf mehrere Schultern verteilt werden oder thematisch eingegrenzt sein – etwa auf Energie oder auf Veranstaltungen.
Wichtig ist: Wer Verantwortung übernimmt, braucht Unterstützung. Das bedeutet, dass der Verein diese Person ernst nimmt, ihre Anliegen in Entscheidungen einbezieht und ihre Arbeit öffentlich würdigt. Nichts entmutigt engagierte Menschen schneller als das Gefühl, mit ihrem Einsatz gegen Wände zu laufen.
Motivation und Sinn: Warum Menschen mitmachen
Wer versteht, warum Menschen sich ehrenamtlich engagieren, versteht auch, wie Nachhaltigkeit daran andocken kann. Die meisten Ehrenamtlichen nennen als Hauptmotiv nicht den Sport selbst, sondern das Gemeinschaftsgefühl, die Anerkennung und das Erleben, etwas Sinnvolles zu tun. Genau hier liegt eine große Chance: Nachhaltigkeitsprojekte schaffen Gemeinschaft, sie sind sichtbar und sie vermitteln das Gefühl, mit dem eigenen Handeln etwas zu bewegen – über das Vereinsleben hinaus.
Ein Baumpflanzprojekt rund ums Sportfeld, eine Müllsammelaktion in der Gemeinde, ein Energiesparwettbewerb zwischen den Trainingsgruppen – solche Aktionen begeistern erfahrungsgemäß nicht nur jene, die ohnehin für Umweltthemen offen sind. Sie ziehen auch Menschen an, die sich bisher nicht als „Nachhaltigkeitsmenschen” gesehen haben, und stärken nebenbei den Zusammenhalt im Verein.
Wissen teilen, voneinander lernen
Österreichische Sportvereine sind keine Inseln. Sie sind Teil von Dachverbänden, regionalen Netzwerken und lokalen Gemeinschaften. Dieses Netzwerk ist eine unterschätzte Ressource, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Was beim Tennisverein im Nachbarort gut funktioniert hat, muss nicht neu erfunden werden. Was ein Fußballclub bei der Umstellung seiner Gastronomie gelernt hat, kann anderen Vereinen wertvolle Zeit sparen.
Gezielter Austausch – ob bei Verbandstagungen, in regionalen Sportgruppen oder über digitale Plattformen – beschleunigt die Umsetzung enorm. Einige Verbände haben bereits begonnen, solche Wissenskanäle aufzubauen. Dort, wo das noch fehlt, können engagierte Ehrenamtliche den Anstoß geben: Ein gemeinsamer Workshop, eine kurze Präsentation beim nächsten Verbandstreffen, eine schlichte E-Mail mit dem Betreff „Was macht ihr eigentlich beim Thema Energie?” – das reicht oft, um ins Gespräch zu kommen.
Anerkennung als Treibstoff
Ehrenamtliches Engagement für Nachhaltigkeit ist Mehrarbeit – und sie verdient Sichtbarkeit. Vereine, die ihre Nachhaltigkeitsinitiativen in der Vereinskommunikation, auf der Website oder in sozialen Medien zeigen, geben den handelnden Menschen Anerkennung und motivieren andere zur Nachahmung. Ein kurzer Bericht über die neue Bewässerungsanlage, ein Foto vom gemeinsamen Baumpflanzen, ein Dankeschön an die Person, die die Fahrgemeinschaft organisiert hat – diese kleinen Gesten haben eine größere Wirkung, als man oft vermutet.
Nachhaltigkeit im Sport wird nicht von Strategiepapieren gemacht, sondern von Menschen, die es einfach tun. Die gute Nachricht: In fast jedem Verein gibt es diese Menschen bereits. Sie müssen nur gefunden, gefragt und unterstützt werden.

